· 

ADHS - Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlung einfach erklärt

ADHS - Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlung einfach erklärt

Vorwort

Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Thema der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Falls du dich für nicht krankheitsbedingte Konzentrationsprobleme interessierst und wissen möchtest, wie du sie los wirst, dann lies unseren Artikel zum Thema Tipps bei Konzentrationsproblemen.

 

In diesem Artikel setzen wir uns im Detail mit dem Thema ADHS auseinander und beantworten die wichtigsten Fragen, die viele Menschen haben. Von Allgemeinwissen wie Geschichte, Verbreitung und bekannte Gerüchte über Symptome, mögliche Ursachen, sinnvolle Behandlung (sowohl klassische als auch alternative) und den richtigen Umgang mit Betroffenen findest du hier alles Wissenswerte, um dir eine fundierte Meinung zu diesem Thema aufzubauen.

 

Dieser Ratgeber dient allein zu Informationszwecken. Zur Diagnose sollte in jedem Falle ein Arzt zu Rate gezogen werden. Bei weiteren Fragen, Anregungen oder Kritik schreibe in die Kommentare oder kontaktiere uns direkt - wir helfen dir gerne weiter.

Übersicht



1. Allgemeines


Was ist eigentlich ADHS?

Die Abkürzung ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Typische Merkmale bei Betroffenen sind Konzentrationsschwächen, erhöhte Impulsivität und die Beeinträchtigung der Selbstregulation (dazu später mehr) sowie körperliche Hyperaktivität.

 

ADHS gehört zur Gruppe der Verhaltens und emotionalen Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend. Das bedeutet, dass diese Störung bereits lange vor dem Erwachsenenalter auftritt. Die Diagnose erfolgt häufig bereits in den ersten fünf Lebensjahren, in vielen Fällen wird ADHS aber auch erst später festgestellt.

 

Konzentrationsschwächen wurden erstmals bereits 1775 vom deutschen Arzt Melchior Adam Weikard in einem medizinischen Zusammenhang erwähnt. Es dauerte bis ins 20. Jahrhundert, bis das Phänomen allgemein als psychische Störung und nicht als Folge von Fehlerziehung angesehen wurde. Ab den 1970ern schließlich beschäftigte sich die Wissenschaft auch mit den neurobiologischen Grundlagen von ADHS.

Wer ist davon betroffen und wie wahrscheinlich ist ADHS?

Studien zufolge sind weltweit circa 5% aller Kinder und Jugendlichen betroffen. Im Erwachsenenalter liegt die Quote bei etwa 2,5%. Dabei wird die Krankheit deutlich häufiger bei Jungen als bei Mädchen diagnostiziert.

 

Laut der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen des Robert Koch Instituts steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Diagnose von ADHS mit dem Alter der Betroffenen bis ins Jugendalter. Ab dann nimmt sie wieder ab und erreicht im Erwachsenenalter ihren Tiefpunkt.

 

Gemäß einer Stellungnahme der Bundesärztekammer besteht bei etwa einem Drittel der Erkrankten die Krankheit noch im Erwachsenenalter weiter, wobei sich die Symptome mit zunehmendem Alter meist verändern. So nimmt die Hyperaktivität (falls vorhanden) mit dem Alter der Betroffenen meist ab, wohingegen die Konzentrationsschwächen zunehmen.

Ist ADHS eine "echte Krankheit"?

In den 1990er Jahren tauchten vermehrt Gerüchte auf, ADHS sei keine echte Störung, sondern vielmehr eine Variation normalen Verhaltens und die Diagnose lenke von Erziehungsfehlern ab. Da die entsprechenden Unterfunktionen des Gehirns, die mit ADHS zusammenhängen, damals noch nicht ausreichend nachgewiesen werden konnten, zeichneten viele Medien das Bild eines möglichen Eklats im Medizinbereich.

 

In der im Jahre 2002 von Experten veröffentlichten Internationalen Konsens-Erklärung zu ADHS wurden diese Gerüchte ausnahmslos zurückgewiesen und aufs Schärfste verurteilt.

 

Auch hält sich die Behauptung hartnäckig, mit der erhöhten Anzahl an Diagnosen in den letzten Jahrzehnten gehe eine hohe Zahl an Fehldiagnosen einher. Dafür ließen sich laut Untersuchungen jedoch keine Belege finden. Vielmehr ist die erhöhte Anzahl an Diagnosen damit zu erklären, dass ADHS heute wesentlich besser erforscht ist und so eine Diagnose leichter fällt.

 

Studien haben sogar gezeigt, dass viele Menschen in früheren Jahren, als das Thema ADHS noch weniger etabliert war, nie eine Diagnose geschweige denn eine Behandlung erhalten haben und so heute umso mehr unter den Folgen leiden müssen.

2. Symptome


Mit welchen Symptomen zeigt sich ADHS?

Die wichtigsten Symptome von ADHS sind auffällige Probleme mit Aufmerksamkeit, Selbstregulation, Impulsivität und in vielen Fällen auch Hyperaktivität. Das klassische Erscheinungsbild umfasst des weiteren Folgeerscheinungen, die weniger als Symptome und mehr als Resultat der durch die Krankheit bedingten Umstände zu sehen sind (dazu später mehr). 

 

Sowohl das DSM-5 als auch das ICD-11 (zwei der wichtigsten medizinischen Klassifikationssysteme) beschreiben differenzierte Symptome sowie Erscheinungsbilder von ADHS. Je nach Gewichtung von Konzentrationsstörung und Hyperaktivität ist die Rede von einem vorwiegend unaufmerksamen Erscheinungsbild, einem vorwiegend hyperaktiv-impulsiven Erscheinungsbild oder einem gemischten Erscheinungsbild.

 

Aufgrund dieser Vielfalt lohnt es sich, einen genaueren Blick auf die einzelnen Symptome zu werfen.

Aufmerksamkeit

Das Merkmal, welches am Häufigsten mit der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung in Verbindung gebracht wird, ist Konzentrationsschwäche. Diese wird in Zusammenhang mit ADHS auch Unaufmerksamkeit genannt.

 

Menschen, die darunter leiden, ist es nicht oder nur schwer möglich, sich auf längere Aufgaben zu konzentrieren, Anweisungen genau zu verfolgen oder ihre Arbeit selbstständig zu organisieren und entwickeln häufig eine Abneigung dem gegenüber. Zudem neigen Betroffene dazu, bei direkter Ansprache nicht zu reagieren, sind oft vergesslich und zerstreut. 

Selbstregulation & Impulsivität

Als Selbstregulation (auch Selbstkontrolle genannt) werden alle bewussten und unbewussten psychischen Vorgänge bezeichnet, mit denen Menschen ihre Emotionen, Impulse, Handlungen und Aufmerksamkeit steuern. 

 

Dazu gehört beispielsweise die Fähigkeit, die eigenen Gefühle und Handlungen zielgerichtet zu steuern, sodass es möglich ist, auch langfristige Ziele anstatt kurzfristiger Befriedigung zu erreichen. Aber auch die Fähigkeit, sich selbst sozialen und ethischen Normen trotz der eigenen subjektiven Empfindungen unterzuordnen, sowie die Selbstorganisation gehören dazu. 

 

Durch diese Art von Sozialisierung wird negatives impulsives Verhalten verhindert. Menschen, die unter ADHS leiden, fehlt oft diese Selbstkontrolle, sodass oft Entscheidungen gefällt werden, die weniger überlegt und mehr impulsiv sind. Mögliche Folgen werden dabei oft nicht bedacht.

 

Ein gutes Beispiel dafür ist die richtige Ernährung. Wären wir Menschen nur zu impulsivem Handeln in der Lage, würden wir uns nur von dem ernähren, was am leichtesten zu erhalten ist und am schmackhaftesten erscheint. Überlegtes Handeln durch Selbstregulation hingegen macht es erst möglich, dass wir unseren Appetit zügeln können, um langfristige Ziele wie die eigene Gesundheit verfolgen zu können.

Hyperaktivität

Ein weiteres und sehr bekanntes Symptom von ADHS ist die sogenannte Hyperaktivität. Wie bereits erwähnt, kann diese ein starkes Gewicht im Erscheinungsbild von ADHS haben - muss sie aber nicht. Bei fehlender Hyperaktivität wird oft umgangssprachlich von ADS gesprochen.

 

Als Hyperaktivität bezeichnet man eine starke körperliche Unruhe. Betroffenen gelingt es nur sehr schwer, ruhig stehen oder sitzen zu bleiben in Situationen, in denen dies eigentlich erforderlich wäre. So zum Beispiel in der Schule oder auf der Arbeit.

 

Häufig fehlt ihnen die Geduld, zu warten, bis sie mit Reden an der Reihe sind. Typisch ist auch ständiges Trommeln auf Gegenständen, wanken mit den Beinen, übermäßiges Reden sowie das ständige Unterbrechen Anderer (oft mit ungewöhnlichen Äußerungen).

 

Diese Unruhe ist jedoch nicht allein körperlicher Natur - Betroffene fühlen sich in Situationen, in denen Selbstbeherrschung erfordert wird, häufig unwohl und würden am liebsten ausbrechen.

3. Ursachen


Welche Ursachen kann ADHS haben?

Wie die meisten psychischen Störungen kann auch ADHS sehr vielfältige Ursachen haben. Schuld am Auftreten der Krankheit ist oft eine Kombination mehrerer Einflüsse - nie ist ADHS auf einen Auslöser allein zurück zu führen. Daher sollte immer das Gesamtbild aller Einflüsse betrachtet werden.

 

Vor einigen Jahrzehnten war die Frage nach dem warum noch nicht wirklich zu beantworten. Häufig waren Spekulationen, wie etwa eine falsche Erziehung, die Folge. Die moderne Forschung hat das mittlerweile widerlegen und für Klarheit sorgen können. Dabei geht man davon aus, dass sowohl biologische Faktoren als auch Umwelteinflüsse maßgeblichen Einfluss haben.

Ist ADHS vererbbar?

Jein. Die Krankheit ADHS wird nicht direkt vererbt. Vielmehr wird eine gewisse Veranlagung, an ADHS zu erkranken, an die nächste Generation weitergegeben. Die Erblichkeit dieser Veranlagung liegt Studien zufolge zwischen 70% und 80%.

 

Wichtig zu wissen ist, dass es nicht das eine ADHS-Gen gibt, welches Schuld an allem ist. Tatsächlich können sehr viele Gene für eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, an ADHS zu erkranken, verantwortlich sein. Diese Gene beeinflussen verschiedene Regelkreise im Gehirn maßgeblich.

 

Kommen bei ihnen vermehrt Abweichungen in der richtigen Kombination vor, können verschiedene Funktionen im menschlichen Hirn beeinflusst werden. Dabei wird aber nicht ADHS speziell begünstigt. Vielmehr können diese genetischen Veränderung eine ganze Reihe an Störungen, darunter eben auch ADHS, begünstigen.

Biologische Ursachen

Seit einigen Jahren ist wissenschaftlich belegt, dass Abweichungen an den Leitungsbahnen der Nervenfasern im Gehirn bei an ADHS erkrankten Menschen auftreten und dass diese erheblichen Einfluss auf die Art und Weise haben, wie sich ADHS zeigt. 

 

Dabei ist insbesondere die Signalweiterleitung zwischen Nervenzellen vermindert. Die Übertragung durch Botenstoffe, sogenannte Neurotransmitter, ist geringer als bei gesunden Menschen. Insbesondere die Neurotransmitter Dopamin, welcher für Motivation und Belohnung zuständig ist, und Glutamat, welcher großen Einfluss auf die menschliche Lernfähigkeit hat, sind davon betroffen.

 

Auch der Botenstoff Noradrenalin, welcher unter anderem die Motivation und Aufmerksamkeit beeinflusst, soll davon betroffen sein. Behandlungen mit entsprechenden Medikamenten legen zwar eine Unterfunktion nahe, bewiesen werden konnte dies jedoch bisher nicht.

Weitere Einflüsse

Neben rein biologischen Ursachen gibt es auch verschiedene Umwelteinflüsse, die ADHS zwar nicht direkt bewirken, es aber durchaus bei einer gewissen Veranlagung begünstigen können. Zudem besteht die Chance, dass die Ausprägung der Symptome durch sie verstärkt wird.

 

Dazu gehören insbesondere Alkohol- und Nikotinkonsum, aber auch allgemein Drogenkonsum während der Schwangerschaft sowie andere Erkrankungen oder Verletzungen des zentralen Nervensystems.

 

Auch das soziale Umfeld spielt eine wichtige Rolle. Zwar lösen falsche Erziehung oder familiäre Probleme ADHS nicht aus - ein schwieriges soziales Umfeld kann jedoch durchaus den Verlauf einer bestehenden Erkrankung beeinflussen. Eine schwerere Ausprägung kann die Folge sein werden, etwa wenn die Symptome des Betroffenen unterdrückt werden oder auf ständiges Unverständnis oder gar Ablehnung treffen.

4. Diagnose


ADHS erkennen

Mit dem Wissen um Ursachen und Symptome von ADHS scheint es auf den ersten Blick leicht zu sein, ADHS zu erkennen und eine entsprechende Diagnose zu stellen. Doch der schein trügt: viele der genannten Symptome, wie etwa Unaufmerksamkeit oder Hyperaktivität, können bis zu einem bestimmten Grad ganz normal sein, sodass die Grenzen für Laien schwer zu erkennen sind.

 

Gerade im Kindesalter ist ein gesteigerter Drang nach Bewegung und Spiel ganz normal. Auch Erwachsene können hin und wieder unter Konzentrationsproblemen leiden, die nicht nur ganz normal, sondern vergleichsweise simpel zu handhaben sind.

 

Bis wohin Verhaltensweisen normal sind und ab wann von einer Störung gesprochen werden kann sollte in jedem Fall von Fachärzten bewertet werden. Nur sie sind dazu in der Lage, eine richtige Diagnose zu stellen und so einen Ernstfall zu erkennen.

Wie wird ADHS diagnostiziert?

Für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung gibt es bisher keinen einheitlichen diagnostischen Test - vielmehr wird eine sogenannte klinische Diagnostik praktiziert. Das bedeutet, dass Information vornehmlich dadurch gewonnen werden, dass sich mit dem Patienten auseinander gesetzt wird. So kann sein aktuelles Umfeld, seine Vergangenheit sowie seine Symptomatik tiefgründig erforscht und verstanden werden.

 

Das bereits erwähnte medizinische Klassifikationssystem DSM-5 schreibt vor, dass Betroffene mindestens eines von zwei Verhaltensmustern zeigen müssen, damit ADHS diagnostiziert werden kann: Hyperaktivität-Impulsivität oder Unaufmerksamkeit. 

 

Für beide Verhaltensmuster gibt es denmach jeweils 9 mögliche Symptome, wie etwa häufige Flüchtigkeitsfehler für Unaufmerksamkeit oder unruhiges Sitzen für Hyperaktivität-Impulsivität. Bei Kindern müssen jeweils 6 oder mehr, bei Erwachsenen 5 oder mehr der Symptome seit mehr als 6 Monaten konstant und negativ auffallend auftreten. 

 

Außerdem gelten weitere notwendige spezielle und notwendige Bedingungen (diese und alle weiteren Symptome können der entsprechenden Diagnosetabelle des DSM-5 entnommen werden). Zum Schluss kann auch die schwere der Krankheit festgestellt werden, eingeteilt in leicht, mittel und schwer.

Eine differenzierte Diagnose ist wichtig

Doch allein ein kurzer Test mit ja oder nein als einzig mögliche Antworten genügt nicht. Um ADHS mit Gewissheit feststellen zu können, ist eine Betrachtung des Betroffenen aus mehreren Perspektiven notwendig.

 

Zum einen ist eine Befragung nicht nur des Betroffenen, sondern auch der Personen in seinem unmittelbaren Umfeld unverzichtbar. Dazu gehören zum Beispiel Eltern, Angehörige, Freunde oder Lehrer.

 

Um ADHS erkennen zu können, muss man aber noch einige Schritte weitergehen. So ist ein tiefgründiges psychologisches Gutachten für das Verständnis des Betroffenen ebenso wichtig, wie eine Verhaltensbeobachtung, etwa in Arbeits-, Spiel- oder Konfliktsituationen. Weitere Intelligenz- und Konzentrationstests können ebenfalls Aufschluss über das Krankheitsbild geben 

 

Zuletzt kann auch ein neurologischer Test durchgeführt werden, um die Hirnfunktionen zu untersuchen und mögliche Fehl- und Unterfunktionen feststellen zu können. Diese Art von Test im Kontext von ADHS befindet sich jedoch noch in der Anfangsphase.

5. Behandlung & Umgang


Ist ADHS heilbar?

Nein, ADHS ist nicht gänzlich heilbar. Da die Störung genetisch bedingt ist, lässt sie sich nicht mehr rückwirkend verändern oder verhindern. Diese Antwort ist jedoch absolut kein Grund zur Ernüchterung, denn die Symptome von ADHS sind mittlerweile in den meisten Fällen sehr gut kontrollierbar. 

 

Gerade bei schwächeren Fällen lässt sich das Krankheitsbild oft so gut kontrollieren, dass eine hohe Lebensqualität erreicht werden kann. Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung ist die Diagnose durch einen Facharzt und die entsprechende durch ihn angeordnete und empfohlene Therapie

Wie wird ADHS behandelt?

Ursachen, Symptomatik und Stärke der Ausprägung von ADHS sind bei jedem Betroffenen unterschiedlich und deshalb ist eine individuelle Behandlung sehr wichtig. Diese Behandlung beschränkt sich meist nicht auf eine Maßnahme allein, sondern umfasst viele Schritte gleichzeitig.

 

Das Spektrum reicht dabei von Psycho- und Verhaltenstherapie über Coaching bis hin zu Medikation, Ernährung und Nährstofftherapie. Um eine erfolgreiche Therapie zu gewährleisten ist jedoch zunächst die richtige Information und der richtige Umgang unverzichtbar.

Aufklärung und Umgang

Häufige Probleme im Umgang mit ADHS sind Unverständnis, Vorurteile und sogar Ablehnung der Krankheit seitens des sozialen Umfelds. Der falsche Umgang mit der Krankheit kann eine stärkere Ausprägung begünstigen.

 

So ist es gerade als Angehöriger wichtig, sich rechtzeitig mit ADHS auseinander zu setzen. Es ist notwendig, dass sich der oder die Betroffene wertgeschätzt, akzeptiert und verstanden fühlt. Leider gelingt dies vielen Menschen nicht, da ADHS eine sehr vorurteilsbehaftete Krankheit ist und häufig auf Unglauben trifft. 

 

Nie sollte einem Menschen das Gefühl gegeben werden, er sei geisteskrank, faul oder nachlässig, gehöre nicht zum Rest oder sei schlicht anders als alle anderen. Im Gegenteil sollten positive Eigenschaften herausgestellt und Begabungen gefördert werden.

 

Eine richtige Aufklärung ist aber nicht nur für das soziale Umfeld, sondern auch für den betroffenen Menschen essenziell. Gerade er sollte verstehen, was ADHS ist und wie er damit umgehen kann.

Verhaltens- und Psychotherapie bei ADHS

Der Betroffene selbst muss mit der Krankheit leben - deshalb sollte er auch wissen, wie er damit umzugehen hat. Studien haben mittlerweile bewiesen, dass gerade Verhaltenstherapie sehr erfolgversprechend ist. Bei dieser Therapieform, die ab dem achten Lebensjahr empfohlen wird, lernen Betroffene bestimmte Techniken kennen, mit denen sie ihre Krankheit besser kontrollieren können.

 

Auch Psychotherapie kann sehr hilfreich sein. Mit der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung gehen oft weitere psychologische Probleme einher, wie Depressionen oder mangelndes Selbstwertgefühl. Eine tiefgründige Psychotherapie kann hier nicht nur Symptome lindern, sondern auch ein besseres Verständnis für den Betroffenen schaffen.

Coaching und ADHS-Selbsthilfegruppen

Bei einem sogenannten Coaching erhält der Betroffene eine Vertrauensperson neben Eltern, Lehrern und Ärzten, die ihn wie eine Art Assistent im Alltag unterstützt und Strategien und Techniken aufzeigt, um mit ADHS umzugehen.

 

Selbsthilfegruppen sind des weiteren Möglichkeiten für Betroffene zu lernen, mit ihrer Krankheit umzugehen. Ein Gefühl der Isolierung kann so verhindert werden. Viele Menschen mit ADHS haben das Gefühl, nicht normal zu sein. Der Kontakt und der Austausch mit anderen Betroffenen kann helfen.

Behandlung von ADHS mit Ritalin

Eine weit verbreitete Form der Behandlung beinhaltet das bekannte Medikament Ritalin, welches 1959 zum Einsatz kommt. Es bewirkt eine Signalverstärkung im Gehirn, da die Konzentration der Botenstoffe Dopamin und Nordrenalin im Gehirn erhöht wird.

 

Ritalin kann, bei richtiger Dosierung, Symptome wie Konzentrationsschwäche und Hyperaktivität mindern. Gerade bei mittlerer bis starker Ausprägung erweist sich der Wirkstoff Methylphenidat als sehr wirksam. Er ist meist Teil einer vielseitigen Behandlung und nicht ihr einziger Bestandteil.

 

Trotz der häufig erfolgreichen Behandlung durch Ritalin gehört der Stoff zu den harten Behandlungsformen. Zu den bekanntesten Nebenwirkungen gehören Schlaflosigkeit, Depression, Herz-Kreislauf-Beschwerden und Appetitlosigkeit. Auch Wachstumsverzögerungen und Suizidgedanken können bei Langzeitanwendung auftreten. Nebenwirkungen treten häufiger bei falscher Dosierung beziehungsweise nicht passendem Krankheitsbild auf. 

 

Es konnte bisher kein Abhängigkeitspotential bei richtiger Dosierung nachgewiesen werden. Jedoch kann ein plötzliches Absetzen von Ritalin zur Verstärkung der Syptome führen, da der Betroffene sich stark an die Stütze, die ihm Ritalin bietet, gewöhnt hat. Zudem sind die langfristigen Folgen einer Ritalin-Behandlung nur schwer abzuschätzen.

Nährstofftherapie - diätische Behandlung von ADHS

Eine neue und sanftere Alternative zu starken Medikamenten stellt eine Nährstofftherapie durch Nahrungsergänzungsmittel dar. Gerade bei leichten bis mittel stark ausgeprägten Formen von ADHS kann die Hirnfunktionen durch natürliche Mikronährstoffe unterstützt werden.

 

Omega-3-Fettsäuren etwa können die Symptome von ADHS nachweislich mindern. Weitere Inhaltsstoffe wie Eisen, Magnesium, GLA und verschiedene Vitamine können die natürlichen Prozesse im menschlichen Gehirn unterstützen und somit eine Unterversorgung ausschließen. 

 

Die Nebenwirkungen von Nahrungsergänzungsmitteln sind dabei gering bis nicht vorhanden, sofern man die empfohlene Tagesdosierung nicht überschreitet und auf Allergien gegen Inhaltsstoffe acht gibt. Der Körper nimmt sich, was er braucht - den Rest scheidet er einfach aus. So können neben der direkten Behandlung der Symptome auch weitere negative Einflüsse, wie eine Mangelernährung, ausgeschlossen werden. Wir empfehlen natürlich, eine Nährstofftherapie immer mit dem Arzt oder Therapeuten abzusprechen.

Du interessierst dich für Nährstofftherapie?


Kommentar schreiben

Kommentare: 0