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Vitamine: Wie sie bei ADHS-Symptomen helfen können

Auf dem Tisch liegen Klötze mit Buchstaben, die zusammen Vitamin ergeben

Die Zahl der Kinder, die eine ADHS-Diagnose erhalten, steigt zunehmend. Wie genau ADHS entsteht, ist noch unklar. Es wird davon ausgegangen, dass das Erbgut eine Rolle spielt. Darüber hinaus kann ADHS auch biologische Ursachen haben. Seit einiger Zeit wird auch der Zusammenhang zwischen ADHS und der Ernährung immer häufiger diskutiert. So kommen Studien zu dem Ergebnis, dass es eine Verbindung zwischen dem Risiko, an ADHS zu erkranken, und einer ungesunden Ernährung gibt. Eine gesunde, mediterrane Ernährung scheint sich positiv auf ADHS-Symptome auszuwirken. Vitamine und ADHS ist ein neuerer Bereich, der in zahlreichen Studien erforscht wird.

Um Symptome wie Hyperaktivität und Konzentrationsprobleme zu lindern, werden Kinder häufig mit Stimulanzien wie Methylphenidat, Dexamphetamin oder Atomoxetin behandelt – Insbesondere im Hinblick auf die Steigerung schulischer Leistungen bei ADHS. Natürlich ist keines dieser Medikamente risikofrei, weshalb sich viele Eltern für eine alternative Behandlung ihrer Kinder durch Ernährungsmaßnahmen interessieren. Und auch Ärzte haben ein gesteigertes Interesse an der Ernährungstherapie bei ADHS.

In diesem Artikel erläutern wir den aktuellen Forschungsstand zum Thema ADHS, Vitamine und Ernährung.

Dieser Ratgeber dient rein zu Informationszwecken. Vermutest du, dass dein Kind an ADHS leidet, raten wir dir, einen Arzt aufzusuchen und mögliche Therapieformen mit ihm zu besprechen.

Übersicht

  1. Immer mehr ADHS-Fälle
  2. Was ist ADHS?
  3. Die richtige Ernährung bei ADHS
  4. Vitaminmangel begünstigt ADHS
  5. Fazit

Immer mehr ADHS-Fälle

Die Diagnose ADHS ist die am häufigsten gestellte psychische Diagnose im Kindesalter.

Eine Zunahme der ADHS-Diagnosen belegt auch eine Untersuchung des wissenschaftlichen Dienstes der AOK. Sie fand heraus, dass ADHS bei den drei bis 17-Jährigen zu den am häufigsten diagnostizierten Störungen zählte. Jungen sind mehr als doppelt so häufig von der Störung betroffen wie Mädchen.

Bei knapp jedem zehnten Jungen im Alter zwischen neun und elf Jahren wird die Diagnose ADHS gestellt. Auch bei den Mädchen werden in dieser Altersgruppe die meisten ADH-Störungen diagnostiziert.

Innerhalb von acht Jahren hat sich laut Bericht der AOK die Anzahl der Diagnosen verdoppelt. Allerdings besteht stets die Gefahr der Überdiagnose, denn nicht jedes hibbelige Kind, das mit ADHS diagnostiziert wird, leidet auch tatsächlich an ADHS. Auch die Abgrenzung zu anderen psychischen Störungen, die der ADH-Störung ähneln, ist oftmals schwer.

Was genau ist also ADHS und wie äußert es sich?

Was ist ADHS?

Bei ADHS, der Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung, handelt es sich um eine Störung der Entwicklung des Nervensystems, die sich durch Hyperaktivität, Unaufmerksamkeit und Impulsivität ausdrückt.

Tatsächlich zählt ADHS zu einer der häufigsten Störungen bei Kindern, sie kann allerdings ebenso Erwachsene betreffen.

Die genaue Ursache für ADHS ist weitestgehend unklar. Es wird aber davon ausgegangen, dass die Gene eine Rolle für das Risiko einer ADHS-Störung spielen. Weitere Faktoren, zumindest den Krankheitsverlauf beeinflussen, sind Umweltgifte und eine nährstoffarme Ernährung.

Bild eines Kopfes mit GehirnEs wird angenommen, dass ADHS auf eine Unterversorgung mit Dopamin und Noradrenalin im Bereich des Gehirns, der für die Selbstregulierung zuständig ist, zurückzuführen ist. (1, 2, 3). Sind diese Funktionen beeinträchtigt, fällt es Betroffenen schwer, Aufgaben zu Ende zu bringen oder sich zu konzentrieren.

Dies wiederum hat Auswirkungen auf schulische Leistungen, die Leistungsfähigkeit im Job und auch auf soziale Beziehungen. Dadurch kann die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigt werden.

ADHS kann nicht geheilt, lediglich Symptome gemildert werden, weshalb die Störung in den meisten Fällen mit Medikamenten behandelt wird. Allerdings kann auch eine Ernährungsumstellung helfen, Symptome zu lindern.

Die richtige Ernährung bei ADHS

In unserem letzten Beitrag sind wir bereits auf die Wichtigkeit einer nährstoffreichen Ernährung zur Steigerung der Konzentrationsfähigkeit bei ADHS-Kindern eingegangen. Hier möchten wir den aktuellen Forschungsstand zum Zusammenhang zwischen ADHS und Vitaminen bzw. Ernährung noch etwas genauer unter die Lupe nehmen.

Der Zusammenhang zwischen ADHS und einer gesunden Ernährung wird auch für Mediziner zunehmend interessanter. Dies belegt eine Auswertung der aktuellen Literatur sowie eine dazugehörige Fragebogenerhebung mit der Zielgruppe Kinder- und Jugendärzte.

Ein besonders hoher Stellenwert wird laut Auswertung der Fragebögen dem Zusammenhang zwischen gesunder Ernährung und der Therapie von medikamentösen Nebenwirkungen zugeschrieben. Außerdem deutet die aktuelle Studienlage darauf hin, “dass eine ernährungsmedizinische Therapie in das Behandlungsprotokoll von ADHS aufgenommen werden sollte, um etwaigem Fehlverhalten sofort entgegenwirken zu können”.

Studien zeigen den Zusammenhang zwischen ADHS und Ernährung

In den vergangenen Jahren wurden vermehrt Studien veröffentlicht, die zeigen, dass sich eine ungesunde Ernährung negativ auf das Risiko einer ADH-Störung auswirken kann. Im Gegenzug kann ADHS durch eine vitaminreiche Ernährung gebessert werden.

So belegte etwa eine im Journal of Attention Disorders veröffentlichte Studie, dass ADHS im engen Zusammenhang mit einer typisch westlichen Ernährung steht. Eine als gesund eingestufte Ernährung hingegen wurde nicht in Zusammenhang mit einer ADHS-Diagnose gebracht.

Auch eine 2017 im Pediatrics erschienenen Studie zeigte, welchen Einfluss die Ernährung auf eine ADH-Störung hat. So stand das Risiko einer Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung im direkten Zusammenhang mit einer ungesunden, vitaminarmen Ernährung mit hohem Konsum von Fast-Food, gezuckerten Getränken, Süßigkeiten und industriellem Zucker. Die Forscher rieten, die Gesamternährung bei ADHS zu berücksichtigen, nicht nur ausgewählte Nährstoffe. In diesem Zusammenhang empfahlen sie eine mediterrane Ernährung.

 

Vitaminmangel begünstigt ADHS-Symptome

Auch Vitaminmangel scheint im Zusammenhang mit ADHS zu stehen und Symptome zu verstärken.

Vitamin B und ADHS

So schreibt das BJPsych Open, dass Vitamine ADHS-Symptome reduzieren können. Die darin veröffentlichte Untersuchung belegte einen Zusammenhang zwischen einem niedrigen Vitamin-B2-, Vitamin-B6- und Vitamin-B9-Spiegel und der Wahrscheinlichkeit einer ADHS-Diagnose. Erwachsene, die einen Mangel der genannten Vitamine aufwiesen, haben eher eine ADHS-Diagnose erhalten, als Menschen mit guter Vitaminversorgung.

Die ADHS-Symptome waren umso ausgeprägter, je stärker der Vitamin-B2- und Vitamin-B6-Mangel war.

Vitamin B6 und ADHS

Das Vitamin B6 spielt eine entscheidende Rolle beim Stoffwechsel in den Nervenzellen, insbesondere beim Energiestoffwechsel sowie bei der Funktion der Nervenbotenstoffe Dopamin und Serotonin.

Vitamin B6 scheint außerdem im Zusammenhang mit ADHS zu stehen: Ein Mangel an diesem B Vitamin wurde vermehrt bei Erwachsenen festgestellt, die an der ADH-Störung leiden. Mehr noch: Je ausgeprägter der Mangel war, desto deutlicher zeigten sich die ADHS-Symptome.

Eine Infographik, die zeigt, in welchen Lebensmitteln sich Vitamin B6 befindetDie gezielte Einnahme von Vitamin B6 konnte sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen den Serotoninspiegel normalisieren und die durch ADHS verursachte mangelnde Aufmerksamkeit verbessern.

B Vitamine werden außerdem auf ihre strukturelle Ähnlichkeit mit Methylphenidat untersucht, einem Medikament, welches häufig zur Behandlung der ADHS-Symptomatik eingesetzt wird. Forscher gehen davon aus, dass das Vorhandensein von B-Vitaminen und ihre postulierten Strukturaktivitätsbeziehungen (SARs) mit Dopamin für die beobachtete pharmakologische Wirkung verantwortlich sein können.

Diese pharmakologische Aktivität wird wahrscheinlich über ihre kompetitive Bindung an die DAT-Dopamin-Bindungsstelle mit einer gleichzeitigen Erhöhung der synaptischen Dopaminkonzentration erreicht, die wiederum den postsynaptischen Dopamin-D2-Rezeptor aktivieren und somit die Symptome von ADHS verbessern kann. Allerdings ist weitere Forschung nötig, um die Gültigkeit der These, dass B-Vitamine und Methylphenidat einen gemeinsamen neurochemischen Wirkmechanismus aufweisen, zu bestätigen.

Vitamin D und ADHS

Auch Vitamin D wird im Zusammenhang mit ADHS untersucht. Bei einer von 2011 bis 2013 durchgeführten Studie in Qatar mit 1331 gesunden und 1331 mit ADHS diagnostizierten Kindern zeigte sich, dass ADHS-Kinder einen signifikant niedrigeren Vitamin-D-Spiegel aufwiesen, als gesunde Kinder in der Kontrollgruppe.

Diesen Zusammenhang lässt auch eine im Jahr 2016 durchgeführten Studie vermuten. Hier überprüften Forscher verschiedene Vitalstoffspiegel, wie Vitamin B12, Eisen, Vitamin D und Hormonwerte (Schilddrüse, Nebenniere etc.) bei insgesamt 77 Kindern, die entweder eine ADHS- oder eine Autismus-Diagnose erhalten hatten. 27 gesunde Kinder befanden sich in der Kontrollgruppe.

Die Studie zeigte, dass der Vitamin-D-Spiegel bei Kindern mit ADHS signifikant niedriger war als bei den gesunden Kindern in der Kontrollgruppe, so dass Nahrungsergänzung notwendig wurde.

Diese Ergebnisse bestätigte auch eine im August 2014 durchgeführte Studie, sowie eine Studie von September 2014, in welcher sich bei fast 20 Prozent der untersuchten 630 ADHS-Kinder ein starker Vitamin-D-Mangel (Werte lagen unter 10 ng/ml) sowie ein Eisen- und Ferritinmangel zeigte.

Vitamin D zur Unterstützung von ADHS Medikation

Dass Vitamin D auch zusammen mit ADHS Medikation wirksam ist und Symptome verbessern kann, zeigt eine 2016 veröffentlichte Studie.

Eine Sonnenbrille im Sand, darunter ist Vitamin D geschrieben

In dieser wurden 62 Kinder im Alter von fünf bis 12 Jahren willkürlich in zwei Gruppen eingeteilt. Kinder der ersten Gruppe erhielten 2000 IU Vitamin D und Methylphenidat über einen Zeitraum von acht Wochen verabreicht, während die Kinder der zweiten Gruppe Methylphenidat und ein Placebo erhielten.

ADHS Symptome sowie das Verhalten der Kinder morgens und abends wurden von den Eltern in den Wochen 1, 4 und 8 auf verschiedenen Skalen eingestuft.

54 Kinder haben die Studie zu Ende gebracht. Am Ende zeigte sich eine deutliche Verbesserung der Vitamin D Werte in Gruppe eins. Die Ausprägung der ADHS-Symptome hingegen verbesserte sich sowohl in Gruppe eins als auch in Gruppe zwei.

Eine signifikante Differenz zwischen den zwei Gruppen konnte allerdings in Bezug auf die abendlichen ADHS-Symptome festgestellt werden. Hier schien Vitamin D zu einer Verbesserung beigetragen zu haben.

Zusammenhang zwischen Vitamin D und ADHS

Vitamin D durchläuft für alle hormonellen Wirkungen im Körper mehrere Umwandlungsschritte zu verschiedenen chemischen Formen.

Von unserem Körper wird Vitamin D durch die Nahrung oder Sonneneinstrahlung aufgenommen. Von dort wird es zunächst in die Zirkulationsform 25(OH)D umgewandelt, in welcher es unser Blut zirkuliert. Schließlich wird es dann in seine hormonaktive Form 1,25(OH)2D umgewandelt.

In dieser Form bindet es an Vitamin D-Rezeptoren und beeinflusst, in welchen Mengen Dopamin gebildet und umgesetzt wird.

Die hormonaktive Form von Vitamin D steuert die Gene, die für die Bildung von Dopamin zuständig sind. Sie sorgt außerdem für das Überleben von Nervenzellen, die von Dopamin abhängig sind und reguliert wichtige Gene, die den Dopaminhaushalt steuern.

Das bedeutet, dass zu wenig Vitamin D im Körper Störungen im Dopaminhaushalt begünstigen.

Dopamin wiederum steht laut Forschung im engen Zusammenhang mit ADHS-Symptomen, da es für die Regulierung der emotionalen Funktionen im Gehirn zuständig ist. Niedrigere Dopamin-Level scheinen demnach ADHS-Symptome zu begünstigen.

Multinährstoffe bei ADHS

Bisher haben wir uns Studien angeschaut, die sich auf die Wirkung von Vitamin D beziehungsweise Vitamin B bei ADHS beschränkt haben. Nun wollen wir uns Studien anschauen, die den Einfluss mehrerer Nährstoffe auf ADHS untersucht haben. Schließlich sind viele Nährstoffe aufeinander angewiesen und interagieren miteinander.

In der 2017 an der University of Canterbury in Neuseeland durchgeführten Studie setzten Forscher ein Multinährstoffpräparat aus 13 Vitaminen, 17 Mineralstoffen und vier Aminosäuren ein.

93 ADHS-Kinder im Alter von sieben bis 12 Jahren erhielten in dieser einzigartigen Studie keine Medikamente, sondern lediglich das Multinährstoffpräparat, was diese Studie bislang einzigartig macht.

In einem Zeitraum von zehn Wochen erhielt die Hälfte der Kinder das Präparat, während die andere Hälfte ein Placebo erhielt.

Im Laufe der Studie konnte eine starke bis sehr starke Verbesserung bei 47 Prozent der Kinder in der Multinährstoff-Gruppe festgestellt werden. In der Placebogruppe hingegen konnte nur bei 28 Prozent der Kinder eine merkliche Verbesserung festgestellt werden, die allerdings nicht den Verbesserungsgrad der Multinährstoff-Gruppe erreichte.

Verbesserung zeigte sich insbesondere in Aggressionen, der emotionalen Selbstkontrolle und der Konzentrationsfähigkeit der Kinder in der Multinährstoff-Gruppe. Im Bereich der Hyperaktivität hingegen konnten keine deutlichen Verbesserungen festgestellt werden.

 

Fazit

Wie wichtig eine gesunde Ernährung für ADHS-Kinder ist, haben wir bereits erläutert. In diesem Artikel sollte die besondere Rolle, die Vitamine bei ADHS spielen, genauer dargestellt werden.

Die Studienlage präsentiert eine Nährstofftherapie von ADHS-Patienten mit Vitaminen als empfehlenswerte Maßnahme.

Ein Zusammenhang zwischen dem Mangel an bestimmten Vitaminen (hier insbesondere Vitamin D sowie B-Vitamine) mit ADHS konnte belegt werden.

Darüber hinaus wurde gezeigt, dass Nahrungsergänzung mit Vitaminen als zusätzliche Maßnahme zu einer Medikation mit Methylphenidat in Betracht zu ziehen ist (lies hierzu auch unseren Artikel über ADHS und Nahrungsergänzung). Dadurch kann eine weitere Verbesserung der ADHS-Symptomatik erzielt werden.

Eine Vitamintherapie sollte in jedem Fall mit einem Arzt abgeklärt werden.

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2 Idee über “Vitamine: Wie sie bei ADHS-Symptomen helfen können

  1. Kristina sagt:

    Da ist ein Fehler im Zusammenhang mit Vitamin D.
    Am Anfang steht ADHS wird mit zu viel Vitamin D verbunden und anschliessend mit einem Vitamin D Mangel. Bitte ändern.

    • Tom Junglas sagt:

      Hallo Kristina,

      vielen Dank für deinen Hinweis! Zwar ist das, was im Artikel steht, korrekt. Es wurde jedoch etwas verwirrend geschrieben; die Rede war von einem “hohen Vitamin-D-Mangel” und einem “niedrigen Vitamin-D-Spiegel”. Wir haben das ganze angepasst, sodass es jetzt etwas verständlich ist. Viel Spaß beim Lesen!

      Viele Grüße
      Dein Concentrix®-Team

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