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ADHS bei Jugendlichen: Symptome & Probleme in der Pubertät

ADHS bei Jugendlichen

Die Pubertät ist für die meisten Jugendlichen ein ganz besonders intensiver Lebensabschnitt. Insbesondere dann, wenn ADHS bei Jugendlichen vorliegt.

Pubertierende mit ADHS stellen ihre Eltern oft auf eine arge Geduldsprobe, denn egal, was sie sagen oder tun – alles ist falsch und es wird stets das Gegenteil getan. Das ist in der Pubertät ganz häufig der Fall.

Zudem kommt hinzu, dass die Pubertät bei Jugendlichen mit ADHS länger dauert und erst mit dem 23. Lebensjahr komplett abgeschlossen ist. Eine lange Zeit also, in der sich Eltern mit pubertierenden ADHS-Jugendlichen auseinandersetzen müssen.

Doch wie genau verhält sich eigentlich ein Jugendlicher mit ADHS? Warum ist dieser Zeitabschnitt so problematisch und wie verändert sich die Beziehung zwischen Eltern und Jugendlichen? Dies wollen wir dir in diesem Artikel erklären. Darüber hinaus gehen wir auf einige erfolgreiche Behandlungen von ADHS bei Jugendlichen ein und wollen schließlich auch die positiven Seiten beleuchten.

  1. Symptome bei Jugendlichen
  2. ADHS – bei Jugendlichen ein besonderes Problem
  3. Beziehung auf dem Prüfstand
  4. Behandlung von Jugendlichen mit ADHS
  5. Wir wollen auch das Positive sehen
 
 

Symptome bei Jugendlichen

Generell sind die Kernsymptome einer Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstörung, wie der Name bereits suggeriert, Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Je nach Lebensabschnitt sind die Ausprägungen dieser Symptome aber unterschiedlich.

Während sich ADHS bei Kleinkindern und Kindern meist durch eine ausgeprägte Hyperaktivität und Impulsivität zeigt, weicht diese in der Pubertät häufig eher einer “Null-Bock” Einstellung und einer starken Antriebslosigkeit.

Wie ADHS im Jugendalter aber genau verläuft, kann schwer vorher gesagt werden. Es kann sein, dass sich Symptome während der Pubertät sogar noch verschlimmern. Dies muss aber nicht der Fall sein. Bei rund einem Drittel aller Jugendlichen Betroffenen schwächen die Symptome sogar ab.

ADHS im Kindesalter äußert sich typischerweise durch Ungeschicklichkeit und auch durch Aggression und Wutanfälle. In der Pubertät hingegen kann ADHS zu Ängstlichkeit und sogar zur Depression führen. Sie kann auch im Zusammenhang mit einem geringen Selbstbewusstsein und einer hohen Risikobereitschaft stehen, weshalb die Unfallrate bei Jugendlichen mit ADHS besonders hoch ist.

 
 

ADHS – bei Jugendlichen ein besonderes Problem

Die Pubertät stellt meist für Eltern und Jugendliche einen gleichermaßen schwierigen Lebensabschnitt dar. Kommt dann noch eine Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung hinzu, wird die Pubertät zur besonderen Herausforderung.

Ein schwaches Selbstwertgefühl

Jugendliche mit ADHS haben häufig nur ein schwaches Selbstbewusstsein, ein wenig ausgeprägtes altersentsprechendes Reflexionsvermögen und können stur sein, wenn es um ihre eigene Sichtweise auf die Dinge geht.

Das schwache Selbstwertgefühl geht nicht selten auf Probleme und Schwierigkeiten in der Schule zurück, denn mit dem eintretenden Jugendalter werden auch die schulischen Anforderungen größer, welchen Jugendliche mit ADHS nicht immer gewachsen sind.

Weitere Probleme können auch aus der Kindheit stammen, in welcher sie vielleicht oft bei Schulkameraden, Lehrern und Eltern angeeckt sind. Gleichaltrige haben oft wenig Verständnis für Kinder mit ADHS, weshalb sie sie oft gemieden haben, während Eltern und Lehrer sie stets ermahnten, ruhiger zu sein.

All dies hinterlässt Spuren bei Jugendlichen, die sich daher häufig als Außenseiter und Versager fühlen.

Suchtgefahr bei Jugendlichen mit ADHS

Studien haben gezeigt, dass Jugendliche mit ADHS vermehrt zu Drogen- und Alkoholmissbrauch neigen als die Allgemeinheit. Es wird auch darüber diskutiert, ob die Behandlung mit Medikamenten Auslöser eines späteren Drogenkonsums sein kann. Dies wurde in einer Studie von Lambert und Hartsough überprüft, mit dem Ergebnis, dass Kinder, die mit Methylphenidat (z.B. Ritalin) behandelt wurden, im Jugendalter besonders anfällig sind für Nikotin- und Kokainmissbrauch.

Zu anderen Ergebnissen kam allerdings die Langzeitstudie von Biedermann et al., bei der sich zeigte, dass medikamentös behandelte Jugendliche mit ADHS ein um 85 Prozent niedrigeres Risiko für Drogenmissbrauch haben, als jene, die nicht gar behandelt werden.

Dieses Ergebnis wird von einer Langzeitstudie von Huss et al. unterstützt, die zeigte, dass behandelte Jugendliche bedeutend weniger Drogen konsumierten. Es wird daher geschlussfolgert, dass Ritalin eine stabilisierende Wirkung auf Jugendliche mit ADHS hat und daher einem Drogenmissbrauch vorbeugen kann.

Eine weitere Vermutung ist, dass Jugendliche aufgrund ihrer Reizoffenheit und Impulssteuerungsschwäche anfälliger sind für Drogenkonsum. Jugendliche mit ADHS sind sehr neugierig und offen für neue Erfahrungen und brauchen stets einen neuen “Kick”, um sich selbst wahrzunehmen. Aus diesem Grund begeben sie sich häufiger auf die Suche nach neuer Reizstimulation, die häufig im Drogen- oder Alkoholkonsum endet. Drogen wie Ecstasy oder Kokain putschen auf, was dem Bedürfnis der Jugendlichen nach neuen Eindrücken entgegen kommt. Auf der anderen Seite wirken Drogen wie Heroin oder andere Opiate beruhigend und helfen aufgekratzten Jugendlichen, ihren häufig konfliktreichen Alltag besser zu meistern.

Erschwerend kommt hinzu, dass Jugendliche mit ADHS noch leichter verführbar sind, wenn es um Drogen- und Alkoholkonsum geht, da sie häufig angestrengt versuchen, bei Gleichaltrigen anzukommen und Teil der Gruppe zu sein.

Die Einnahme von Drogen stellt außerdem oftmals eine Art Selbstmedikation gegen übermäßige Unruhe und Sensibilität dar. Besonders bei Alkohol-, Cannabis- und Kokainmissbrauch scheint dies der Fall zu sein. (1)

Riskantes Verhalten

Da Jugendliche, wie bereits erwähnt, häufiger als andere Gleichaltrige auf der Suche nach dem “Kick” sind, ist nicht selten ein besonders risikoreiches Verhalten die Folge. Dieses ist auch auf die Doppelbelastung aus ADHS-Symptomatik und den daraus resultierenden Folgen sowie den Schwierigkeiten, die die Jugendphase generell mit sich bringt, zurück zu führen.

Um anderen zu imponieren, greifen Jugendliche mit ADHS häufig zu drastischen Maßnahmen, flüchten in Mutproben und gehen über Grenzen hinaus. Sie suchen nach Extremen und wollen alles ausprobieren. Oftmals mangelt es ihnen an der Fähigkeit abzuwägen, zu vergleichen, zu relativieren und Situationen realistisch einzuschätzen. Aus diesem Grund kommt es bei Jugendlichen mit ADHS vermehrt zu Unfällen und Verletzungen.

Schwierigkeiten in der Schule

Auch bei Jugendlichen ohne ADHS stellt sich besonders in der Pubertät eine “Null-Bock-Einstellung” ein, die die Schule in diesem Zeitraum als reine Zeitverschwendung erscheinen lässt. Diese Einstellung ist bei Jugendlichen mit ADHS manchmal sogar noch dramatischer, weshalb häufiges Schwänzen und Unaufmerksamkeit die Folgen sind.

Die Schule stellt für Jugendliche mit ADHS während der Pubertät ein besonders großes Problem dar. Nun wird erwartet, dass sich die jungen Erwachsenen selbstständig auf den Schulabschluss vorbereiten, was ihnen allerdings meist ohne Hilfe nur selten gelingt. Aufgrund ihrer Lernschwäche verlassen sie die Schule deutlich häufiger ohne Schulabschluss als andere Gleichaltrige.

Hinzu kommen die großen Schwierigkeiten von Jugendlichen mit ADHS mit Autoritäten. Auf Lehrer und Eltern wird in dieser Phase nur ungern gehört. Welche Maßnahmen hier ergriffen werden können, kannst du in unserem ADHS Schulartikel nachlesen.

 
 

Beziehungen auf dem Prüfstand

Das Zusammenleben mit einem ADHS-Jugendlichen wird durch Verhaltensweisen wie ihrem überaus starkem Gerechtigkeitsempfinden, gelegentlichen Wutausbrüchen und der Schwierigkeit mit Autoritäten enorm erschwert. Pubertierende, die unter ADHS leiden, stellen daher ihr gesamtes Umfeld auf eine harte Probe. Egal, was gesagt oder getan wird, die Eltern können kaum etwas richtig machen und jede kleine Unstimmigkeit kann zur riesigen Auseinandersetzung werden.

 

Behandlung von Jugendlichen mit ADHS

Die Behandlung einer Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung bei Jugendlichen kann auf mehrere Weisen erfolgen und sie lässt sich drei Bereichen zuordnen:

  1. der Psychotherapie
  2. der medikamentösen Therapie
  3. und weiteren pädagogischen Angeboten.

Die medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie mit Ritalin ist vermutlich die bekannteste. Der Wirkstoff Methylphenidat, der sich in Ritalin befindet, soll die Nervenaktivität erhöhen und im Fall von ADHS für eine stärkere Erregung des frontalen Cortex sorgen.

Methylphenidat (MPH) beeinflusst insbesondere den Stoffwechsel des Neurotransmitters Dopamin. Es blockiert den Rücktransport dieses Botenstoffes in die ausschüttende Zelle, indem es den Transporter in seiner Funktion blockiert. Dadurch erhöht sich die Konzentration des Botenstoffes im synaptischen Spalt und es kann mehr Dopamin an die Membran der nächsten Zelle andocken, wodurch deren Reizweiterleitung verstärkt wird. Dies wiederum erhöht die Aktivität der anschließenden Hirnareale.

MPH sorgt außerdem dafür, dass die erste Zelle mehr Dopamin ausschüttet. Diese zwei Wirkmechanismen führen dazu, dass die Aktivierung des frontalen Cortex verstärkt wird, wodurch im Fall der ADHS eine Leistungsverbesserung der exekutiven Funktionen erreicht wird. (2)

Wie fast jede medikamentöse Behandlung ist aber auch jene mit Methylphenidat nicht ohne Nebenwirkungen. Diese beziehen sich vor allen Dingen auf das vegetative Nervensystem und äußern sich beispielsweise in einem erhöhten Puls und Blutdruck. Bei zu hoher Dosierung kann es außerdem zu einer unbestimmten Nervosität, verstärkten Aggressionsbereitschaft und zur leichten Erregbarkeit kommen.

Darüber hinaus kann MPH zu Schlafstörungen führen, da es anregend wirkt und somit wach macht.

Eine weitere seltene Nebenwirkung ist die einer im Alltag grundlos auftretenden Traurigkeit – eine “dysphorische Verstimmung”. Bei Kindern und Jugendlichen zeigt sich diese Verstimmung durch eine zuvor unbekannte Weinerlichkeit.

Nahrungsergänzung

Für viele Menschen und insbesondere Jugendliche mit ADHS stellt Nahrungsergänzung eine Unterstützung oder sogar Alternative zu medikamentöser Behandlung bei ADHS dar.

Insbesondere Omega 3 und 6 Fettsäuren und B-Vitamine werden vielfach mit einer positiven Wirkung auf ADHS Symptome in Verbindung gebracht und sind in der Wissenschaft ein immer größer werdendes Feld.

Weitere Mikronährstoffe, wie essenzielle Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente unterstützen die Ernährung auf eine natürliche Weise. So können durch Nährstoffmängel bedingte Konzentrationsprobleme verhindert und die Konzentration optimiert werden.

Ein großer Vorteil ist die risiko- und nebenwirkungsarme Natur der Behandlungsform. Der Körper nimmt sich die Nährstoffe, die er braucht – der Rest wird einfach ausgeschieden. Insbesondere bei vegetarischer und veganer Ernährung macht eine Behandlung mit Mikronährstoffen Sinn.

Mehr dazu findest du in unserem großen Artikel zu Nahrungsergänzung bei ADHS.

Die Psychotherapie

Auch eine Psychotherapie kann Jugendlichen mit ADHS helfen, besser mit ihren Symptomen umzugehen. Hier hat sich vor allem die kognitive Verhaltenstherapie bewährt. Bei dieser geht es insbesondere um Reflexion und bewusste und willentliche Änderung der eigenen Verhaltensweisen.

Genau das macht die Therapie so wirksam: Nicht der Therapeut führt die Veränderung herbei, stattdessen wird sich der Patient bewusst, dass nur er eine Änderung in seinem Leben herbei führen kann. In der Therapie kann er neue Sichtweisen auf sich und seine Umwelt erproben und neue Verhaltensmuster entwickeln.

Eine Psychotherapie muss aber nicht als Alternative zur medikamentösen Behandlung von ADHS gesehen werden. Vielmehr kann sie eine sinnvolle Ergänzung darstellen. Die Medikation schafft die Voraussetzung zu einer verbesserten Selbststeuerung, während die kognitive Verhaltenstherapie den Inhalt und Sinn dieser Selbststeuerung darstellt.

Weitere pädagogische Angebote

Viele Menschen werden von dem Wort “Psychotherapie” abgeschreckt, denn noch immer ist diese mit starken Vorurteilen behaftet. Hier könnten weitere pädagogische Angebote wie etwa das Coaching sehr sinnvoll sein.

Das Coaching von ADHS-Betroffenen ist mittlerweile zu einer beliebten Behandlungsform geworden. Hier wird eine Art Anleitung von Betroffenen und Angehörigen gegeben, denn Jugendliche mit ADHS sind zwar meist nicht mehr so hyperaktiv wie im Kindesalter, Impulsivität und Unkonzentriertheit bleiben jedoch häufig auch im Jugend- und Erwachsenenalter noch bestehen.

Als weiteres nichttherapeutisches Angebot hat sich die Selbsthilfe bewährt. Hier wird Betroffenen Hilfestellung rund um sämtliche Themen gegeben, die ADHS betreffen. Mittlerweile gibt es in vielen Städten Selbsthilfegruppen, in denen sich Jugendliche mit ADHS über Symptome und Hilfen austauschen können.

Weitere Informationen zum Umgang und Behandlung von ADHS findest du übrigens in unserem großen ADHS-Guide.

 
 

Wir wollen auch das Positive sehen

Bei einer ADHS-Diagnose ist es leicht, nur das Schlechte zu sehen, insbesondere dann, wenn Jugendliche anstrengender und bockiger werden als zuvor. Allerdings sind die Symptome von ADHS bei Jugendlichen nicht in jedem Fall negativ. Ganz im Gegenteil.

Jugendliche mit ADHS haben einen hohen Gerechtigkeitssinn und setzen sich stark für ihre Kameraden und Mitmenschen ein. Darüber hinaus verfügen sie über einen großen Schatz an Ideen, da sie durch ihre Reizoffenheit besonders empfänglich für alles sind, was um sie herum geschieht. Ideen können daher überall generiert werden.

Darüber hinaus sind Jugendliche mit ADHS neugierig und wissbegierig. Für neue Projekte sind sie daher leicht zu begeistern, wobei ihre Impulsivität lediglich ein Zeichen ihrer Begeisterung ist. In neue Projekte bringen sie dann gerne kreative Lösungen ein, denn wenige denken so gekonnt um die Ecke wie Jugendliche mit ADHS.

Auch die Sprunghaftigkeit der Gedanken von Jugendlichen mit ADHS birgt großes kreatives Potenzial. Ständig werden neue Aspekte in den Gedankengang einbezogen und künstlerische Lösungen gefunden.

Sind Jugendliche mit ADHS in ein Projekt vertieft, sind sie nicht zu stoppen. Sie arbeiten unermüdlich an einer Aufgabenstellung, wenn es sein muss, auch die ganze Nacht.

Es bleibt also festzuhalten, dass Aspekte wie innere Unruhe, Sprunghaftigkeit der Gedanken, Impulsivität und die hohe Reizoffenheit vielleicht zunächst negativ klingen mögen. Doch sie bringen definitiv auch positive Seiten mit sich, die man bei Jugendlichen fördern sollte. Versuche, die Begeisterungsfähigkeit von Jugendlichen mit ADHS zu erwecken und du hast einen Projektpartner, der unermüdlich arbeitet und sich einsetzt.

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